Brussig-Zwillinge in Rio zweimal Silber

Die Judoka Carmen und Ramona Brussig vom Kampfsportcenter Do-Jigo Wollerau bestritten in Rio de Janeiro erfolgreich die Paralympics: Sie brachten die Silbermedaille nach Hause.

Eine Teilnahme an den Paralympics war vor 2004 für Frauen im Sehgeschädigten Judo nicht möglich. Seit den Spielen in Athen sind die im Kampfsportcenter Do-Jigo Wollerau trainierenden Brussig-Schwestern jedoch bei allen Paralympic-Teilnahmen um Medaillenerfolge besorgt, so auch in diesem Jahr in Rio de Janeiro.

Hohe Erwartungen erfüllt
Das Interesse an den Brussig-Zwillingen war bereits im Vorfeld der Spiele gross und der Erfolgsdruck wurde dadurch nicht kleiner. Nochmals Doppelgold? Es wäre schön gewesen, aber auch unrealistisch. Das Leistungsniveau im Judosport für Sehgeschädigte hat sich enorm gesteigert und steht heute dem «regulären» Judo in nichts nach. Jede errungene Medaille steht für Verzicht, Schmerzen, eiserne Disziplin und mehrstündiges tägliches und vor allem hartes Training. Das Resultat vorweg: jeweils eine sensationelle Silbermedaille für Carmen und Ramona Brussig vom Kampfsportcenter Do-Jigo Wollerau.

Klare Sache bis zum Final
Für die Paralympics in der Sportart Judo können sich nur die ersten sieben Frauen aus der Judo-Weltrangliste der IBSA (International Blind Sports Federation) pro Gewichtsklasse qualifizieren. Der achte Slot ist immer für das Gastland reserviert. Die erste Herausforderung in der Kategorie -48 kg meisterte Carmen Brussig souverän. Sie machte mit ihrer Gegnerin aus der Türkei bereits nach einigen Minuten kurzen Prozess. Durch eine Würgetechnik verlor Tasin Ecim ihr Bewusstsein, bevor sie das Zeichen zur Aufgabe geben konnte. Wie in London standen sich im Halbfinale die Ukrainerin Yuliya Halinska und die Judotrainerin des Kampfsportcenters Do-Jigo Wollerau gegenüber. Beide wollten natürlich nicht viel riskieren. Brussig ging sehr taktisch vor, sodass ihre Gegnerin bald die erste Strafe für Inaktivität bekam – eine Minute später die zweite. So blieb Halinska keine Wahl,als ihr Risiko zu erhöhen. Dies nutzte Carmen Brussig für einen schnell angesetzten Beinwurf (Harai Goshi), der ihr die Wertung Yuko einbrachte. Erfahren genug brachte sie ihren Wertungsvorsprung über die Zeit und konnte so den Druck von sich wenden. Gold verloren, Silber gewonnen

Gegen die Chinesin Li Liqing war Carmen Brussig chancenlos. Sie fand kein Konzept gegen die starken Schulterwurfangriffe ihrer Gegnerin. Da die Chinesin nach Colorado 2014 plötzlich von der Bildfläche verschwunden war und erst seit Juli wieder auf der Startliste aufgeführt wurde, blieb Brussig nicht genug Zeit, sich auf die Kontrahentin einzustellen: «Gold verloren und Silber gewonnen. Natürlich ist man nach dem Kampf enttäuscht, dass man ihn verloren hat, aber dann freut man sich doch», meinte die Wahlschweizerin mit einem Lächeln. Mit der gewonnenen Silbermedaille vervollständigte sie ihren Paralympic- Medaillensatz.

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Ramona Brussig legte nach
Nach einer einjährigen Pause aufgrund von Kreuzbandriss und Netzhautablösung glückte Ramona Brussig der Kaltstart, obwohl sie beim Auftaktkampf in der Kategorie -52 kg gegen die Brasilianerin Ferreira sehr nervös war. Nach einem schnellen Seoi-Otoshi (Handwurf) gewann die etwas jüngere Brussig die Begegnung frühzeitig. Leider musste sich auch Ramona Brussig im Finale der Französin Sandrine Martinet geschlagen geben. Das gleiche Resultat war natürlich nicht beabsichtigt, – klassische Zwillinge eben. 2020: Neue Auflage der Zwillinge?

Neue Auflage 2020
Doppelgold 2012 in London, Doppelsilber 2016 in Rio de Janeiro: Darf man da auf eine neue Auflage hoffen? Die Frage bleibt offen. Sicher ist aber, dass Carmen und Ramona Brussig mit 39 Jahren an ihrer langjährigen Judo-Geschichte des Erfolgs angeknüpft und geschrieben haben. Ein Platz in der Sportgeschichte des Judos für Sehgeschädigte ist ihnen schon lange sicher. «Ich kann als Trainerin von Carmen Brussig und Freundin der beiden nur immer wieder sagen: ‹Wow, Chapeau!› Welch konstante Leistung – und dies seit Jahren. Dies können nur wenige vorweisen. Mit ihrer bescheidenen Art sind sie weltweit von Interesse», so Alexandra Schiesser.

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Vielen Dank
Ein herzliches Dankeschön an alle, die Carmen und Ramona Brussig wieder vier Jahre begleiteten und sie in jeglicher Form unterstützten. Wir danken natürlich allen Sponsoren für die wichtige finanzielle Unterstützung.


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