16.05.2014 ein paar Fragen an Cecilia Evenblij

Cecilia, wie lange hast du selber Judo betrieben, resp. wann und wie machst du dies immer noch?
Mein erster Judopasseintrag ist von 1979, von der bestandenen Gelbgurtprüfung. Ich leite pro Woche 3 Trainings, 2 davon mit behinderten Judoka. Ich versuche auch noch ab und zu selber ins Training zu gehen, was leider nicht mehr jede Woche klappt.


Wie bist du zum Judo als Behindertensport gekommen?
Ich habe in Holland Sozialpädagogik studiert und habe schon während der Ausbildung (1985-1990) diverse Judo Praktika mit Kindern mit Behinderung gemacht.

Hast du eine spezielle Ausbildung für deine Aufgabe gemacht?
Nach dem abgeschlossenen Studium in Sozialpädagogik, habe ich noch an der Sportfachschule drei Jahre die Judolehrerausbildung gemacht. Während dieser Ausbildung habe ich mich spezialisiert für Judo für geistig Behinderte. Auch habe ich meine Diplomarbeit für den Judolehrer damals über G-Judo geschrieben. G- Judo steht für Gehandicapten-Judo, wird in der Deutschen Sprache übersetzt mit anGepasstes Judo. Der Name G-Judo ist vom IJF anerkannt.

Welche Aufgaben hast du und was reizt dich daran besonders?
Es gibt verschiedene Organisationen, die sich mit Behindertenjudo beschäftigen. So leite ich bei PluSport die Leiterausbildung zum Behindertensportleiter Judo. An dieser Ausbildung (5-6 Tage) können J+S Leiter sich in die speziellen Feinheiten vom Behindertenjudo vertiefen. Bei Special Olympics bin ich als Technischer Koordinator Judo für die Deutschschweiz zuständig. Für Special Olympics organisiere ich Judo Wettkämpfe. Der SJV ist Partner von beiden Organisationen, doch es braucht viel Koordination, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Aus meiner Sicht ist zentral, dass Behinderte auch ein Recht haben auf ihre Freizeitbeschäftigung, ein Recht sich mit anderen zu messen in einem Wettkampf, ein Recht auf einen höheren Gurt, den sie sich durch viel Training verdient haben, ein Recht auf Kampfrichter in Anzug mit Krawatten, die sie ernst nehmen, und vieles mehr. Das Motto "so normal wie möglich, angepasst wenn notwendig" steht bei mir Zentrum.

Judo für Menschen mit einer Behinderung sollte keine Therapie sein, auch wenn wir alle wissen, dass man im Judo viele wichtige Sachen fürs Leben lernen kann, aber das gilt ja nicht nur für Behinderte.

Was wünschst du dir im Zusammenhang mit deiner Aufgabe?
Ich bin der Meinung, dass wir in der Schweiz auf dem richtigen Weg sind. Wir haben uns in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, doch könnten und sollten wir uns noch weiterentwickeln. Wenn wir auf die Websites der umliegende Judoverbände schauen, haben wir noch Nachholbedarf. Als Beispiel kann ich das Turnier an Ostern in Holland erwähnen: da waren ca. 30 ausgebildetete G-Judo Kampfrichter auf der Matte. In der Schweiz haben wir zurzeit gerade mal 2 Kampfrichter, die eine Zusatzausbildung für das Behindertenjudo absolviert haben.

Das Ausbilden von G-Judolehrer, G-Judo Kampfrichter und das Koordinieren von nationalen und internationalen Anlässen für G-Judoka liegt alles bei mir und ist neben einem normalen Job fast nicht machbar. Zum Glück bekomme ich von Anne Marie Gye viel Unterstützung bei der Ausbildung, von Didier Berruex bei diversen nationalen und internationalen Anlässen, und von Alexandra Schiesser auf Kampfrichterebene.

Gibt es etwas wichtiges, das du verändern möchtest?
Ich bin ziemlich zufrieden, wenn wir uns so weiterentwickeln. Ich hoffe dabei auf die weitere Unterstützung vom SJV. Als Vorbild nehme ich Holland und Deutschland. Dort gibt es im Organigramm des Judoverbandes es eine Nationale Kommision G-Judo. So kann die Arbeit von mehreren Personen getragen werden. Ich würde so was begrüssen.

Liebe Cecilia – herzlichen Dank für deine Auskünfte!


Der Zürcher Judo & Ju-Jitsu Verband ZJV ist Mitglied bei: 

sjv    zks  Sportamt farbig  pallas